„Armonico tributo“ – Concerti, Toccaten und Sonaten von Georg Muffat

Sonntag, 5. März 2023

Kirche Maria Frieden

Georg Muffat (1653-1704) – eine europäische Künstlerpersönlichkeit
Instrumentalmusik aus „Armonico tributo“ (1682), Orgelwerke aus „Apparatus musico-organisticus“ (1690), Sonata in D für Violine und Basso continuo

Eva Saladin (Violine), NN (Violine), Stella Wilkinson (Viola), Eveleen Olsen (Viola), Armin Bereuter (Violone), Emanuele Forni (Theorbe), Dirk Trüten (Orgel)

Georg Muffat war eine wahrhaft europäische Künstlerpersönlichkeit. Mit schottischen Wurzeln in Savoyen geboren und aufgewachsen im Elsass, erhielt er seine musikalische Ausbildung zunächst in Paris. 1674 schrieb er sich im bayerischen Ingolstadt als Student der Rechtswissenschaften ein. Sein Frühwerk, die 1677 in Prag entstandene Violinsonate, zeugt von seiner Lust am harmonischen Experiment, denn Muffat lässt das schlichte Viertonmotiv durch den ganzen Quintenzirkel wandern, und fast alle Tonarten werden im Lauf der Sonate einmal berührt. Für die damalige Zeit etwas wahrhaft Unerhörtes!

1678 erhielt er einen Ruf als Organist an den Hof des Salzburger Fürsterzbischofs Max Gandolf, der ihm 1681 ein Studienjahr bei Pasquini und Corelli in Rom gewährte. Als Frucht dieser Reise widmete Muffat dem Bischof ein Jahr später die Sonaten des Armonico tributo anlässlich der 1100-jährigen Gründung des Salzburger Erzbistums. Mit diesem Pionierwerk gelang es Muffat als einem der ersten, die vielfältigen musikalischen Möglichkeiten des Concerto grosso in ihrer ganzen Tiefe auszuloten. Im Januar 1690 spielte er Joseph I. anlässlich von dessen Königskrönung in Augsburg aus seiner damals neu erschienenen Sammlung „Apparatus musico-organisticus“ vor. Vor allem die Toccaten dieser Sammlung stellen zusammen mit der Musik der Hansestädte die bedeutendsten deutschen Orgelwerke dieser Zeit dar und beeinflussten auch entsprechende Werke Johann Sebastian Bachs. Nach dem Tod seines Förderers Max Gandolf wechselte Muffat nach Passau, wo er 1704 starb.

Muffats überaus kosmopolitische Persönlichkeit kommt viel mehr noch als in seiner Biographie in seiner Musik zum Ausdruck. So war er der erste Deutsche, der den italienischen und den französischen Stil in Paris und Rom von führenden Meistern erlernte und beide Stile mit der deutschen kontrapunktischen Schreibweise vereinigte. Seine gedruckten Werke versah er mit bis zu viersprachigen Vorreden, worin er u.a. auch seine – bis heute aktuellen – Auffassungen vom friedlichen Zusammenleben aller Völker darlegte: „Die Kriegerische Waffen und ihre Ursachen seyn ferne von mir; Die Noten, die Seiten, die liebliche Music-Thonen geben mir meine Verrichtungen, und da ich die Französische Art der Teutschen und Welschen einmenge, keinen Krieg anstiffte, sondern vielleicht deren Völker erwünschter Zusammenstimmung, dem lieben Frieden etwann vorspiele.“

All dies lohnt, diesen grossen Komponisten einmal näher kennen zu lernen!