Orgelreisen

Seit einigen Jahren organisieren wir zusätzlich zu den Konzertaktivitäten Orgel- und Kulturreisen in die wichtigsten Orgelregionen Europas. Ziel ist es, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen für den Reichtum und die Vielfalt des europäischen Orgelkulturerbes zu sensibilisieren und dieses gleichzeitig im Kontext ihres jeweiligen regionalen Umfelds erlebbar zu machen.

Sietze de Vries
Sietze de Vries

Unser Reisekonzept richtet sich bewusst an jedermann, man muss kein „Orgelexperte“ sein. Die fachliche Leitung liegt jeweils in den Händen des renommierten Organologen und Orgelbauers Bernhardt Edskes. Musikalischer Begleiter ist der niederländischer Konzertorganist Sietze de Vries, der es mit seiner Improvisationskunst und seiner Erfahrung im Umgang mit historischen Orgeln wie kaum ein zweiter versteht, diese zum Sprechen zu bringen und ihren jeweils besonderen Charme zu entfalten.

Orgelreise 2019: Normandie

In der Woche vom 27. April bis Samstag, 4. Mai bereisten wir mit einer Gruppe von 32 Personen die Normandie. An der Schnittstelle zwischen französischen, englischen und niederländisch-flan­dri­schen Einflüssen bildet die Normandie eine einzigartige Kultur- und Orgellandschaft von europäischem Rang. Ihren Namen verdankt sie den nordeuropäischen Wikingern, die das Land im neunten Jahrhundert in Besitz nahmen und von hier aus im Jahre 1066 unter Wilhelm dem Eroberer auch England unter ihre Herrschaft brachten. Hiervon berichtet anschaulich der Teppich von Bayeux (UNESCO-Welt­kultur­erbe) aus dem 11. Jahrhundert. Von einer reichen Vergangenheit zeugen nicht nur malerische Fachwerkbauten, sondern auch der prächtige Flamboyantstil vieler Kirchen.

Zudem beherbergt die Normandie einen in Frankreich einzigartigen Schatz historischer Orgeln aus dem 17.-19. Jahrhundert. Dabei reicht das Spektrum vom erlesenen „cabinet d’orgue“ (um 1750, vormals im  Schloss von Versailles) aus dem Besitz der französischen Königin Maria Leszczyńska über repräsentative Stadt- und Klosterorgeln des Barock (u.a. St Martin de Boscherville 1627, Bolbec 1631, Dieppe Saint-Remy 1739) bis hin zur sinfonischen Orgelbaukunst der Spätromantik. In der Normandie hat der wohl bekannteste französische Orgelbauer überhaupt, Aristide Cavaillé-Coll, einige seiner schönsten Werke hinterlassen (u.a. Elbeuf, Saint Jean 1858, Caen Saint Etienne 1885, Abtei St. Ouen Rouen 1890).

Ihren Ruf als attraktives Reiseziel verdankt die Normandie auch ihren Landschaften. Schon im 18. Jahrhundert entdeckte die englische Aristokratie die Schönheit der Kreideklippen der Alabasterküste. Später entstanden v.a. an der Côte Fleurie weltbekannte Seebäder wie Deauville/Trouville, die nicht nur die feine Pariser Gesellschaft der Belle Epoque anzogen, sondern auch „Maler des Lichts“ wie Claude Monet zu Meisterwerken inspirierten.

Orgelreise 2020: Ostfriesland

Mit einem Bestand von rund 90 bedeutenden historischen Orgeln aus sechs Jahrhunderten zählt die im äussersten Nordwesten Deutschlands gelegene Region zu den reichsten Orgellandschaften der Welt. Hier kann die Entwicklung der Orgelkunst von der Spätgotik bis in die Gegenwart authentisch nachvollzogen werden. Einflüsse aus den Niederlanden, Norddeutschland und Westfalen tragen zu einer grossen klanglichen und gestalterischen Vielfalt bei. Hervorzuheben sind u.a. die 1686-1692 von Arp Schnitger erbaute Orgel der Ludgerikirche in Norden, die gotische Orgel in Rysum (um 1440), die Renaissance-Instrumente von Uttum und Osteel sowie die Orgeln der Schnitger-Schule in Dornum und Marienhafe. „Empfindsame“ Farben steuern  die Instrumente von Friedrich Wenthin bei, die das Ende des Barockzeitalters markieren.

Ostfriesland ist eine Kulturlandschaft mit ganz eigenem Charakter, der sich besonders in den pittoresken Sielhäfen wie Greetsiel erleben lässt. Roter Backstein prägt die Architektur der zahlreichen, überaus eindrücklichen mittelalterlichen Kirchen, die zum Schutz vor Sturmfluten zumeist auf künstlichen Hügeln, den sog. Warften errichtet wurden. Ihre hohen Türme dienten – wie etwa in Pilsum und Marienhafe – nicht zuletzt als Leuchtfeuer für die Schifffahrt.

Zum Erlebnis Ostfriesland gehört auch der seit 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe zählende Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Die Einmaligkeit dieser von Salzwiesen, Sand und Dünen geprägten amphibischen Landschaft lässt sich besonders intensiv auf einer der dem Festland vorgelagerten Inseln erfahren. Die enge Verbindung zum Meer zeigt sich schliesslich auch in der Ess- und Trinkkultur Ostfrieslands. Omnipräsent ist v.a. der von den ikonischen Krabbenkuttern gefischte „Granat“. Zu den Klassikern der ostfriesischen Küche zählen darüber hinaus das Labskaus als traditionelles Seemannsgericht, die mit Rum-Rosinen zubereitete Ostfriesentorte sowie vor allem die seit dem 17. Jahrhundert gepflegte Teekultur. Aufgrund ihrer identitätsstiftenden Funktion wurde sie 2016 sogar als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt.

Reisedaten: Sonntag, 19. April bis Sonntag 26. April 2020

Unterkunft: ****Hotel Reichshof in Norden

Weitere Informationen: info@duebendorfer-abendmusiken.ch