Kammermusikkonzert «Liebe Amalia…»

Sonntag, 8. März 2026

Kirche Maria Frieden

Werke u.a. von Anna Amalia von Preussen (1723-1787), Johann Philipp Kirnberger (1721-1783), Johann Sebastian Bach (1685-1750), Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788) und Wilhelm Friedemann Bach (1710-1784)

Jermaine Sprosse (Cembalo), Dirk Trüten (Orgel)

Prinzessin Anna Amalie von Preussen (1723-1787) war die Schwester Friedrichs des Grossen und sicherlich eine der faszinierendsten Frauengestalten des 18. Jahrhunderts. In die Geschichte ging sie nicht durch ihre hohe Geburt, sondern durch ihr vielseitiges Wirken auf dem Gebiet der Musik ein. Sie war Organistin, Flötistin, Sängerin, Komponistin, Mäzenin, Sammlerin und Musikwissenschaftlerin.


Von ihrem älteren Bruder Friedrich II. erhielt sie erste musikalische Anregungen, da der strenge Vater ihr das Musizieren verbot. Als junge Frau war sie im Rahmen höfischer Feste als Pianistin zu hören, die auch eigene Kompositionen vortrug. In späteren Jahren arbeitete sie viel mit dem Bach-Schüler Johann Philipp Kirnberger zusammen, der sie in Musiktheorie, Kontrapunkt und Komposition unterwies. Obwohl die Musik Johann Sebastian Bachs damals nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprach, erkannte sie als eine der ersten deren überragende Bedeutung. Da sie durch ihre Sammelleidenschaft zahlreiche Werke Johann Sebastian Bachs vor dem Verlust bewahrte, trug sie wesentlich zur Überlieferung seiner Musik an spätere Generationen bei und begründete so die moderne Bach-Forschung. Ausserdem veranstaltete sie in ihrem Salon regelmässig Abendmusiken, deren Schwerpunkt die «alte» Musik bildete. Diese Konzerte erfreuten sich unter Komponisten, Musikern und Schriftstellern grossen Zuspruchs und wurden auch von ausländischen Gästen geschätzt.

Da sich Anna Amalia für die Musik Johann Sebastian Bachs und seiner Zeitgenossen begeisterte, galt ihr Interesse nicht zuletzt der Orgel. Ihre Leidenschaft war so gross, dass sie sich eine eigene Hausorgel ins Balkonzimmer des Berliner Stadtschlosses einbauen liess, was den Kammermusikus und Cembalisten der preussischen Hofkapelle, Carl Philipp Emanuel Bach, dazu veranlasste, für Anna Amalia sechs Orgelsonaten zu komponieren. Auch Wilhelm Friedemann Bach, der sich ab 1774 in Berlin aufhielt, erfuhr ihre Förderung und vergalt es ihr u.a. mit der Komposition einiger Fugen in dem von ihr geliebten «strengen» Stil.


Jermaine Sprosse studierte Cembalo und Hammerklavier in Berlin bei Mitzi Meyerson und Leo van Doeselaar sowie privat bei Christine Schornsheim und Stefano Demicheli. Von 2011 bis 2013 studierte er an der Schola Cantorum Basiliensis Cembalo, Improvisation und Fortepiano und schloss sein Studium mit Auszeichnung ab. Heute gilt er als einer der herausragenden Interpreten der Musik von Carl Philipp Emanuel Bach. Ab dem Studienjahr 2021/2022 lehrt er am CNSDM de Lyon das Fach «Discours musical». Seine jüngste Ersteinspielung mit Claviermusik von Johann Christoph Friedrich Bach wurde mehrfach ausgezeichnet. Es ist ihm ein besonderes Anliegen, der Literatur des Galanten Zeitalters, vornehmlich der Musik der Bach-Söhne und deren stilistischem Umfeld zu neuem Ruhm zu verhelfen und im heutigen Konzertleben zu etablieren.