„Der Orpheus von Amsterdam“: Festprogramm zum 400. Todesjahr von Jan Pieterszoon Sweelinck

Konzerte, Meisterkurse und Wort

Mitwirkende
Ensemble Voces Suaves (Basel)
Léon Berben (Köln), Orgel und Cembalo
Prof. Jörg-Andreas Bötticher (Basel), Orgel
Dirk Trüten (Zürich), Orgel
Andreas Müller-Crepon (Journalist Radio SRF 2 Kultur), Wort

Freitag, 1.10.2021

19.30 Uhr: Eröffnungskonzert Léon Berben und Andreas Müller-Crepon

Samstag, 2.10.2021

10.00 Uhr: Meisterkurs Léon Berben
19.30 Uhr: Gesprächskonzert Léon Berben und Dirk Trüten

Sonntag, 3.10.2021

17.00 Uhr: Abschlusskonzert Ensemble Voces Suaves und Prof. Jörg-Andreas Bötticher


Einen Schwerpunkt im diesjährigen Programm der Dübendorfer Abendmusiken bildet unser kleines Festival zu Ehren des Organisten Komponisten und Pädagogen Jan Pieterszoon Sweelinck (1562-1621). Als „Orpheus von Amsterdam“ war dieser eine internationale Berühmtheit und zog eine illustre Schülerschar an, die seine Musik über ganz Europa verbreitete. Im Gedächtnis ist er daher vor allem als „Organistenmacher von Amsterdam“ geblieben. Weniger bekannt ist, dass seine Vertonungen des Genfer Psalters sogar noch in der Schweiz des 18. Jahrhunderts gesungen wurden. Parallel zu diesem Manifest des Calvinismus publizierte Sweelinck 1619 in Antwerpen auch Vertonungen aus der katholischen Liturgie und setzte so ein Zeichen für das Gemeinsame der damals verfeindeten Konfessionen.

Voces Suaves ist ein Vokalensemble aus Basel, das Musik der Renaissance und des Barock in solistischer Besetzung aufführt. Historisch informiert strebt es eine fesselnde Rhetorik verbunden mit einem warmen und vollen Gesamtklang an, der die Musik emotional unmittelbar erlebbar macht. Durch die mehrjährige intensive Zusammenarbeit ist eine grosse Vertrautheit im musikalischen Schaffen entstanden. Voces Suaves tritt an bedeutenden Festivals in ganz Europa auf. Seit 2015 sind verschiedene Einspielungen von Voces Suaves bei bekannten Labels erschienen und mit diversen internationalen Preisen ausgezeichnet worden.

Léon Berben studierte am Königlichen Konservatorium von Den Haag und am Sweelinck-Konservatorium in Amsterdam. Zu seinen Lehrern gehörten u.a. Gustav Leonhardt und Ton Koopman. Früh spezialisierte er sich auf die Musik für Tasteninstrumente von 1550 bis 1790, wobei sein Hauptinteresse den deutschen Komponisten, den englischen Virginalisten und dem Schaffen Sweelincks gilt. Léon Berbens zahlreiche Solo-Einspielungen (u.a. die Gesamtaufnahme der Werke von Jan Pieterszoon Sweelinck) wurden mit einer Fülle von Preisen bedacht, darunter gleich siebenmal der «Preis der deutschen Schallplattenkritik».

Jörg-Andreas Bötticher stammt aus Berlin und studierte Alte Musik in Basel. Einem Diplom für Orgel bei Jean-Claude Zehnder und für Cembalo bei Andreas Staier schlossen sich Studien bei Jesper B. Christensen und Gustav Leonhardt an. Mit dem Ensemble „La Fenice“ und der Violonistin Helène Schmitt erkundete er die Musik des italienischen Frühbarock. Er konzertiert als Solist, mit der Geigerin Plamena Nikitassova sowie mit verschiedenen Kammermusik- und Orchesterformationen (u.a. Akademie für Alte Musik, La Cetra, Bachstiftung St. Gallen). Darüber hinaus wirkte er bei Aufführungen der Matthäuspassion mit den Berliner Philharmonikern unter Simon Rattle mit (u.a. in London und New York). Bötticher ist Professor für Cembalo, Orgel und Generalbass an der Schola Cantorum Basiliensis. An der Hochschule für Musik in Basel unterrichtete er bis 2016 Aufführungspraxis älterer Musik. Kurse und Vorträge führten ihn an verschiedene europäische Musikhochschulen und nach Südamerika. Er ist Organist an der Predigerkirche Basel und künstlerischer Leiter der „Abendmusiken in der Predigerkirche“. Daneben wirkt er auch als Juror bei internationalen Orgelwettbewerben wie z.B. in Innsbruck, Lausanne oder Lübeck.

Als Musikwissenschafter publiziert er zu den Themen Generalbass, Musikästhetik sowie zum Kantatenoeuvre Bachs. Verschiedene CD-Aufnahmen dokumentieren sein Interesse für unbekanntere Komponisten, wie z.B. Alessandro Poglietti, Michelangelo Rossi und Gottlieb Muffat, Carlo Zuccari und Gaspard Fritz. Seine Einspielungen der Bach-Sonaten für Violine und Cembalo obligato und der Triosonaten von Caldara (mit Amandine Beyer und Leila Schayegh) erhielten den Diapason d’or. 2020 erhielt er den Wissenschaftspreis der Stadt Basel für seine herausragende Grundlagenforschung zur Musik des 17. und 18. Jahrhunderts und ihre engagierte Vermittlung an die Öffentlichkeit.

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