Sonntag, 6. Dezember 2026
Kirche Maria Frieden
Ensembles La Boz Galana und Concerto Scirocco, Dirk Trüten (Orgel), Michele Vannelli (Leitung)
Die „Marienvesper“ (Vespro della Beata Vergine) von 1610 gehört zu den grossartigsten Sakralwerken aller Zeiten. Claudio Monteverdi zeigt darin alle Facetten seiner Meisterschaft und verbindet in genialer Weise den damals vorherrschenden, feierlichen Kontrapunkt mit emotional tief bewegender Klangrede. In abwechslungsreicher Weise vereinigen sich prachtvolle Chöre und virtuose Solisten zur Verherrlichung der Gottesmutter Maria. Monteverdi gab das Werk drei Jahre nach seiner richtungsweisenden Oper L’Orfeo beim Verlagshaus Ricciardo Amadino heraus. Er widmete es Papst Paul V. als Teil einer in acht Stimmbüchern gedruckten Sammlung. Die Veröffentlichung des Werkes erfolgte vermutlich aus persönlichen Gründen, denn aufgrund finanzieller Probleme nach seinem Dienst unter Herzog Vincenzo Gonzaga reiste Monteverdi nach Rom, vermutlich auch um sich um ein Kirchenamt zu bewerben. Die Marienvesper ist sozusagen als klingende Bewerbungsmappe entstanden. Monteverdi wollte sich hier in seiner ganzen Vielseitigkeit als Komponist präsentieren.

Wie jede andere Vesper besteht die Marienvesper aus einem Invitatorium, fünf Psalmen, einem Hymnus und einem Magnificat. In diesen wurden traditionelle Kompositionstechniken mit hochmodernen Elementen der damaligen Zeit vereint. Zwischen den Psalmen fügte Monteverdi noch vier so genannte Concerti im monodisch-konzertanten Stil ein. Nach Auffassung einiger Musikwissenschaftler und Theologen erzählen die Concerti die heilsgeschichtliche Bedeutung Mariens nach, von der Erwählung bis zur eschatologischen Rolle Mariens.

Für die Aufführung dieses Meisterwerks musizieren die beiden auf Alte Musik spezialisierten Ensembles La Boz Galana und Concerto Scirocco zusammen. Sie sind verbunden durch eine langjährige Partnerschaft und haben kürzlich gemeinsam eine Aufnahme mit Werken des mexikanischen Barockkomponisten Gaspard Gaspar Fernández eingespielt.
Das italienische Ensemble Concerto Scirocco wurde 2009 gegründet und widmet sich der historisch informierten Aufführungspraxis. Dieses vielseitige Ensemble für Alte Musik verbindet die gemeinsame Begeisterung für die Musik der Renaissance, des Frühbarocks und des Barock. Es strebt danach, persönliche Kreativität mit einem Bewusstsein für historische Aufführungspraktiken zu verbinden, das durch Erfahrungen in der Welt der Alten Musik gewonnen wurde. Im Jahr 2021 war Concerto Scirocco einer der vier Gewinner des Wettbewerbs «Kulturplatz» des SRF Schweizer Radio Fernsehen, ausgewählt aus mehr als 60 Kulturprojekten aus der Schweiz. Eine ausführliche Reportage über das Ensemble wurde im renommierten StadtCasino Basel gedreht.

La Boz Galana wurde 2011 in Basel, Schweiz, von Sängern und Instrumentalisten aus Brasilien, Chile, Kolumbien und Frankreich gegründet. Das Ensemble widmet sich insbesondere der Interpretation des iberischen und lateinamerikanischen Repertoires der Renaissance und des Barock. Das Ensemble trat vor allem in Frankreich und der Schweiz auf (u. a. bei den Concerts du Conservatoire de Nantes, dem Festival Vochora, dem Festival du Mont Blanc, dem Festival de Froville, Les Goûts Réunis und Les Musicales de Redon) und zuletzt auch in Kolumbien. «¡En fiesta tan alegre!», ihre erste CD mit Villancicos und Motetten des spanischen Komponisten Matías Durango, erschien 2015. Zwei weitere CDs wurden 2020 veröffentlicht und von den Kritikern begeistert aufgenommen. Neben ihren Auftritten betreibt La Boz Galana kontinuierlich musikwissenschaftliche und philologische Forschung unter der Leitung von Sebastián León, der an der Universität Barcelona in Literaturwissenschaft promoviert hat.
